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Landeskirchentag 2014 barrierefrei

Vom 27. - 29. Juni 2014 feierte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens auf einem Landeskirchentag ihren 475. Geburtstag. Voraus gingen ab dem 25. Juni 2014 die Landeskirchenmusiktage. Am gleichen Wochenende trafen sich ebenfalls in Leipzig Sängerinnen und Sänger aus allen Teilen des Bundesgebietes zum Deutschen Evangelischen Chorfest.

Jede der drei Veranstaltungen hatte ihr eigenes Programm. Sie mündeten am Sonntag im Abschlussgottesdienst in der Red Bull Arena.

 

Wie sah es mit der Barrierefreiheit und der Möglichkeit zur Teilnahme für Menschen mit Behinderung und besonderem Assistenzbedarf aus?

Logo Landeskirchentag 2014 lowVorbereitung

Bei der Wahl der Veranstaltungsorte für das Großereignis wurde die Zugänglichkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und das Vorhandensein von Induktionsanlagen für schwerhörige Menschen geprüft. Das Dolmetschen in Gebärdensprache des Eröffnungs- und Schlussgottesdienstes war vorgesehen.

Allerdings ist es noch nicht selbstverständlich, bei der Planung von landeskirchlichen Veranstaltungen Barrierefreiheit und Chancen der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen insgesamt und systematisch zu bearbeiten. Bisher hängt es von den Erfahrungen der Verantwortlichen ab, was in den Blick genommen bzw. als notwendig erachtet wird.

Im Januar 2013 fragte ich: Was wird getan, damit Menschen mit Behinderung am Landeskirchentag teilnehmen können?

In einem ersten Gespräch wurde mir mitgeteilt: "Das Format des Landeskirchentages ist nicht mit dem des Deutschen Evangelischen Kirchentages zu vergleichen. Wir dürfen nicht erwarten, dass ein ähnlicher 'Aufwand für Barrierefreiheit' betrieben werden könne."

Nachdem dies ausgesprochen war, ließen wir die Ängste vor Ansprüchen, die uns überfordern könnten, hinter uns und wandten uns gemeinsam auf der Sachebene den Details zu.

In mehreren Gesprächen wurden wir während der Planungsphase um Rat, fachliche Zuarbeit und konkrete Hilfe gebeten. Ergebnisorientiert wurde geklärt in welchem Umfang und mit welchen Mitteln größtmögliche Barrierefreiheit hergestellt werden könne. Gemeinsam fanden wir auch Wege der Finanzierung. Im Blick waren v.a. Menschen mit Mobilitätseinschränkung, hörgeschädigte, sehgeschädigte, blinde und gehörlose Menschen.

Information

Das Programmheft und die Internetseite informierten anhand von Piktogrammen über die Barrierefreiheit von Veranstaltungen bzw. Veranstaltungsorte:

  • Barrierefreier Zugang für Rollstuhlfahrer
  • Behindertengerechtes WC
  • Dolmetschen Deutsche Gebärdensprache

Bei der allgemeinen Anmeldung wurde abgefragt, welcher Assistenzbedarf besteht, so dass auf die Anforderungen reagiert werden konnte.

Ein prägnanter Text in der Einladung gab Hinweise zur Teilnahme von Menschen mit Behinderung.

Am Info-Punkt auf dem Markt konnten sich Menschen mit Behinderung ebenfalls informieren.

Der Info-Punkt am Sonntag im Stadion wurde kaum besucht. Es war ungünstig gelegen. An beiden Info-Punkten sollten Liedblätter in Großdruck bereitgestellt werden. Darauf wurde leider verzichtet.

In der Presse und in Presseerklärungen wurde, soweit bekannt, nicht auf Barrierefreiheit hingewiesen.

Solange es nicht selbstverständlich ist, dass Menschen mit Behinderungen ungehindert dabei sein können, muss informiert werden, wo entsprechende Hinweise über barrierefreie Zugänge und Assistenzen zu erhalten sind.

Veranstaltungen

Der Landeskirchentag bot Bibelarbeiten, Gesprächsgruppen, Podien, Workshops zu vier Themenbereichen. Entsprechend der Anmeldung von gehörlosen Leuten wurde das Vormittagsprogramm des Themenbereiches 1 in Gebärdensprache übersetzt.

Philippuskirche Leipzig - Themenzentrum der Gehörlosengemeinde LeipzigDie Gehörlosengemeinde Leipzig bot ein eigenes, fünftes Themenzentrum an. Hier begegneten sich gehörlose Menschen. Hörende waren eingeladen und die Veranstaltungen wurden zum Teil in Lautsprache übersetzt.

Auch beim Eröffnungs- und Schlussgottesdienst waren Gebärdensprachdolmetscherinnen im Einsatz. Die Bereiche, in denen man die Gebärdensprache gut sehen kann, waren gekennzeichnet.

Im Eröffnungsgottesdienst übernahm ein gehörloser Mann einen Teil des Fürbittgebets.

14 Veranstaltungsorte sind mit Induktionsanlagen und fünf mit FM-Anlagen ausgestattet gewesen.

Im Stadion und an den anderen Veranstaltungsorten waren die Zugänge, die mit einem Rollstuhl genutzt werden können, gekennzeichnet.

Für den Abschlussgottesdienst gab es einen Shuttle-Service für Rollstuhlfahrer in den Innenraum des Stadions. Die eigentlichen Plätze für Rollstuhlfahrer des Stadions liegen im Oberrang, der vom Landeskirchentag nicht genutzt wurde.

Ergebnis

Anmeldungen

Neben den Anmeldungen im Themenzentrum der Gehörlosen, gab es insgesamt 21 Anmeldungen mit Assistenzbedarf. In diesen Fällen wurde zurückgerufen.
Die Fragen bezogen sich achtzehnmal allgemein auf Fragen zum Anmeldeverfahren, zum Unterlagenversand und zur Quartiervergabe.
Eine Rückfragen gab es zu Zugänglichkeit und Sitzplätzen in der Kirche bzw. im Chor, um den eigenen Rollator  nutzen zu können.
Ein Hinweis auf einen Rollstuhlfahrer in einer Gruppe – ohne Assistenzbedarf – wurde gegeben.
Die Frage nach Gebärdendolmetscher für eine Bibelarbeit konnte geklärt werden.

Für den Schlussgottesdienst am Sonntag gab es per E-Mail weitere Anmeldungen von Rollstuhlfahrern.

In einem Fall wurde eine Abholung von der Wohnung durch das Landesjugendpfarramt organisiert. Außerdem wurde über den Zugang zum Stadion und den Shuttle informiert.

Mit eine angekündigten größere Gruppe aus einer Einrichtung der Behindertenhilfe für den Sonntag gab es im Vorfeld Absprachen.

Rückmeldungen

Rückmeldungen zu Erfahrungen von Barrieren für Menschen mit Behinderungen und Barrierefreiheit wurden im Lenkungsausschuss gesichert.

  • Zum Eröffnungsgottesdienst des Landeskirchentages auf dem Markt standen zu wenige Sitzplätze zur Verfügung. Sitzplätze mit Lehnen wären wünschenswert gewesen.
  • Die Platzierung der Rollstuhlfahrer zum Abschlussgottesdienst im Innerenraum des Stadions wurde bemängelt. Sie kamen sich "verloren" vor und wurden mehrmals durch die Arbeit von Technikern für die Fernsehübertragung gestört.

Die Problematik, die der Veranstaltungsort Stadion mit sich bringt, wurde in der Planung bereits erkannt, jedoch keine optimalere Lösung gefunden. Auch für Familien mit Kindern und ältere Menschen ist das Stadion mit seinen steilen Treppen ungeeignet.

 

  • Im Themenzentrum der Gehörlosen in der Philippuskirche wurde 32 Tagesgäste, 6 Dauerteilnehmer, 7 Kinder, 22 Mitarbeiter und 19 weitere Gäste zum Abendgottesdienst am Samstag registriert. Dazu kamen einzelne hörende Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Menschen mit Behinderung konnten am Landeskirchentag an ausgewählten Veranstaltungen teilnehmen.

Künftig sollte die Fachkompetenz von Menschen, die sich in der Behindertenselbsthilfe engagieren und in einer Kirchgemeinde zu Hause sind sowie anderer Experten in der Planung und bei der Durchführung von landeskirchlichen und überregionalen Veranstaltungen selbstverständlich einbezogen werden.

 /  Welche Erfahrungen mit Barrierefreiheit haben Sie in unserer Landeskirche?

Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen auf dem Landeskirchentag 2014 oder bei anderen landeskirchlichen Veranstaltungen und in der Kirchgemeinde mit. Wir freuen uns, von Ihren vielleicht überraschend positiven oder lähmenden negativen Erfahrungen zu hören. Gemeinsam können wir etwas verändern.

 

kirche inklusiv gestalten

Pfarrer Raik Fourestier

Hauptstraße 23

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 raik.fourestier(at)evlks.de

 

 

 

 



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